29.03.2026
Einleitung
Im April 2024 und dann nochmal im Oktober und November 2025 hatte ich das Vergnügen, Kolumbien für insgesamt sieben Wochen zu bereisen. Medellín war dabei immer mein Startpunkt. Die Stadt ist mit ihren zwei Flughäfen und Busterminals richtig gut angebunden und bietet damit den perfekten Ausgangspunkt für die Erkundung der vielen spannenden Orte im ganzen Land. Ich bin geflogen, Bus gefahren und habe mich auch direkt mit einem Mietwagen auf den Weg gemacht.
Kolumbien hat einfach so viel zu bieten. Ich möchte euch hier ein paar meiner Reiseziele vorstellen. Meine Auswahl ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Es gibt so viel mehr zu entdecken.
Bei der Wahl der Orte für diesen Beitrag habe ich darauf geachtet, dass dort besonders farbenfrohe Fotos entstanden sind. Und natürlich, dass ich genug Fotos gemacht habe, um den Charakter des Ortes gut einzufangen.
Eines der Klischees über Kolumbien ist zwar ohnehin, dass es in dem Land besonders farbenfroh zuginge. Nach meinen Reisen kann ich bestätigen, dass es auch anders sein kann. Im Übrigen gilt das für jedes lateinamerikanische Land, dass ich bisher gesehen habe. Licht und Schatten, farbig und grau liegen oft nur wenige Meter nebeneinander. Ich entscheide mich hier für die Farben.
Los geht’s mit Medellín selbst, dann weiter über den Pazifik in die Nähe von Bahía Solano, anschließend ins nördliche Tiefland nach Mompós, dann an die Karibikküste nach Santa Marta und wieder zurück, etwas südlich von Medellín, nämlich in die Kaffeezone mit dem charmanten Städtchen Salamina und den Ölpalmen bei San Felix und Salento. Zum Abschluss besuche ich noch zwei traumhafte Kaffee-Fincas rund um Pereira: die Hacienda Guayabal und die Finca La Argelia.
Medellín Centro
Medellín, das sowohl 2024 als auch 2025 den Auftakt meiner Tour bildete, erstreckt sich am Boden entlang des tiefen Tals des Medellín-Flusses und von dort hinauf in die steilen Berghänge. Vielleicht kennt ihr ja die charakteristischen roten Ziegelbauten, die sich die Hänge hinauf schlängeln. Mit ihren darüber hinweg schwebenden Drahtseilbahnen, die einen bequem nach oben bringen.
Das recht kompakte Stadtzentrum dieser Millionenstadt liegt gefühlt am Tiefpunkt des Tals und ist vielleicht nicht wirklich der top Anziehungspunkt für Reisende.
Die Fotos des Zentrums habe ich gleich zu Beginn meiner ersten Reise geschossen. Ich wollte mich, von Deutschland kommend, erstmal ein bisschen an die Höhe gewöhnen. Die Sonne knallte und es war richtig heiß an dem Tag. Entsprechend sind die Fotos farbenfroh, und sie haben auch ein paar sehr dunkle Schatten.
Was die Architektur angeht, bin ich kein Fachmann, aber für mich wirkt sie wie eine Mischung aus spanischer Großstadt und irgendetwas Urbanem, dass ich so auch aus anderen Städten in Südamerika kenne. Ich bin mir nicht sicher, ob es einen typischen Baustil für Medellín gibt.
Ich habe mit den Fotos versucht, Symmetrien, Flächen und Linien einzufangen. Mir gefallen die Aufnahmen gerade deswegen, weil sie einfache Formen einfangen. Ich finde es auch immer wichtig, am ersten Tag einer Reise eine ganz besondere Stimmung zu haben. Vielleicht kann ich die Stimmung hier nicht so gut rüberbringen, aber sie sagt einfach: Du bist jetzt wieder einmal ganz woanders.
[ Medellín Centro ]
Comuna 13
Das sehr spezielle Highlight von Medellín ist ohne Zweifel die Comuna 13. Dieser Stadtteil hat sich vom einstigen Armenviertel mit all seinen Problemen, Kriminalität und Mord zu einer lebendigen Künstler- und Partymeile entwickelt.
Die Comuna 13 zieht sich malerisch an einem der östlichen Berghänge hinauf. Mit der Metro und dem Stadtbus ist man blitzschnell dort. Ich habe es genossen, stundenlang durch die steilen Straßen zu schlendern, die engen Gässchen zu erkunden, über Treppen zu steigen und sogar mit Rolltreppen zu fahren. Überall finden sich hunderte Verkaufsstände, Geschäfte, Bars und Restaurants. Die Wände sind wahre Kunstwerke und voll mit bunter Graffiti.
An vielen Stellen sorgt laute Musik für gute Laune, aber es gibt auch ruhige Ecken zum Entspannen. Ich habe ein paar gemütliche Bars entdeckt, in denen ich ohne große Hektik das bunte Treiben im Viertel beobachten und ein kaltes Bier genießen konnte. Alles wirkt aber so, als befände es sich im konstanten Wandel. Eine einsame, ruhige Bar ist im nächsten Jahr vielleicht der Hotspot für Besucher.
Die Straßen und Wege in der Comuna 13 sind voll von Menschen aus aller Welt. Ich habe Mexikaner kennengelernt, natürlich die freundlichen Einheimischen und, wer hätte das gedacht, auch ein paar Deutsche.
Alle halten begeistert ihre Handys in die Luft, um Fotos zu machen. Und niemand stört sich daran, selbst abgelichtet zu werden. Posieren ist angesagt. Die Comuna 13 ist ein absoluter Hotspot für die Street-Fotografie.
[ Comuna 13 ]
Bahía Solano
Um von Medellín aus ohne Umwege nach Bahía Solano zu gelangen, muss man fliegen. Die Satena bietet günstige Flüge vom lokalen Flughafen an, der sich direkt an den Stadtteil Poblado anschließt. Der Flug dauert vielleicht eine Stunde.
Der Flughafen in Bahía Solano ist ziemlich übersichtlich und besteht aus einer asphaltierten Landebahn, einer kleinen Baracke und einem Kontrollposten. Rundherum erstreckt sich schon der Dschungel.
Bahía Solano, eingebettet in der Provinz Chocó an Kolumbiens Pazifikküste, ist vielleicht ein kleiner Geheimtipp für Naturliebhaber und für diejenigen, die nicht so viel Trubel mögen. Die Region ist sehr abgelegen und nicht so entwickelt wie andere Gebiete, bietet dafür aber eine atemberaubende Atmosphäre, dichte Wälder und die traumhafte Küste.
Vom Flughafen aus ging es für mich erstmal mit dem Taxi wenige Kilometer weiter nach El Valle. Die wartenden Taxifahrer ziehen einen förmlich in ihre Autos hinein. In El Valle bin ich dann auf ein Motorrad umgestiegen und mit dem Fahrer zu einer richtig gemütlichen Lodge gefahren, die noch etwas weiter südlich lag. Es ging durch den Wald und querfeldein über den Strand.
Dabei hatte ich vor meiner Ankunft gar nicht über den Transport nachgedacht. Oder anders: Ich hab vergessen, überhaupt einen Transport vom Flughafen zur Lodge zu organisieren. Problematisch war das nicht. Die Fahrer kennen sich alle und organisieren sich. Irgendwer kommt deshalb immer vorbei und nimmt einen mit.
Die nächsten Tage bin ich einfach nur über den weiten Strand spaziert, habe dem Rauschen der Wellen gelauscht, den tausenden Krabben hinterher gesehen, die aus ihren Sandlöchern schnellten, und ich habe die Ruhe abseits des Trubels genossen.
Beeindruckend war es, als nachts ein Gewitter übers Meer kam. In der wenig schalldichten Holzhütte knallte der Donner ganz ordentlich. Der Regen prasselte so heftig aufs Dach, als säße man in einem Wasserfall.
Auch Mecana habe ich einen Besuch abgestattet. Während El Valle südlich von Bahía Solana liegt, schließt sich Mecana als ein winzig kleines Dorf nördlich Bahía Solano an.
Von dort aus kann man direkt in den sogenannten Primärwald eintauchen. Das ist Wald, der noch nie von Menschen verändert oder aufgeforstet wurde – ein echtes Naturerlebnis! Für diese Wanderung ist es aber empfehlenswert, einen Führer - und Gummistiefel - mitzunehmen. Ich war nicht alleine unterwegs.
Im April hatte ich leider kein Glück mit den Walen. Die sind zu anderen Jahreszeiten vor der Küste. Dafür war die Bootsfahrt vom Pier in Bahía Solano nach Mecana und ein paar Tage später wieder zurück ein witziges Highlight. Vor dem Einstieg einfach ein bisschen Geld fürs Benzin bezahlen, aufgetankt, und dann ging’s mit allem, was der Außenborder hergab, los.
[ Bahía Solano ]
Mompós
Meine zweite Reise nach Kolumbien im November 2025 habe ich wieder in Medellín gestartet. Ich bin mit einer kleinen Propellermaschine der Satena vom lokalen Flughafen abgeflogen und dieses Mal in Mompós gelandet. Das ist ungefähr die Hälfte des Weges zur nordöstlichen Karibikküste und entgegengesetzt zum Pazifik.
Mompós ist ein verstecktes Juwel, eingebettet in die tropische Hitze und Feuchtigkeit des Tieflands und entlang eines Seitenarms des Magdalena-Flusses. Die Stadt spielte im 16. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Danach geriet sie etwas in Vergessenheit, erwachte aber in den letzten Jahrzehnten wieder zu neuem Leben. Genau diese Abgeschiedenheit verleiht ihr ihren einzigartigen Charme.
Das am Fluss liegende historische Zentrum ist ein unvergleichlicher Hingucker – wunderschön restauriert und perfekt für gemütliche Spaziergänge und stimmungsvolle Fotos.
Als ich Mompós besuchte, war ich angenehm überrascht, dass es kaum Touristen gab, obwohl die Infrastruktur dafür bestens geeignet ist. Die vielen kleinen und wunderschönen Hotels hatten reichlich freie Zimmer. Und die Restaurants und Bars an der Flusspromenade waren angenehm ruhig. Ich konnte die Betreiber verstehen, die sich wünschten, dass mehr Leute vorbeikommen und die Atmosphäre sowie ihre Drinks genießen, aber ich persönlich fand die Verlassenheit herrlich entspannt.
Im Übrigen entstand in Mompós eine Verfilmung von Hundert Jahre Einsamkeit. Kennt man das Buch und kennt man die Stadt, scheint klar, dass es kaum einen passenderen Ort gibt.
Die Restaurants und Cafés an der Uferpromenade haben mir besonders gut gefallen. Das Essen fand ich überall ziemlich gut. Ein besonders köstlicher Tipp ist Butifarra, eine gut gewürzte Wurst katalanischen Ursprungs.
Da in weiten Teilen des historischen Zentrums keine Autos fahren, ist es für lateinamerikanische Verhältnisse erstaunlich ruhig. An den warmen Abenden in der Dunkelheit über dem Fluss zu sitzen und etwas zu trinken, war wirklich ein Highlight meiner Reise und eine unbeschreiblich schöne und friedliche Erfahrung.
Mompós ist wahrscheinlich auch ein kleines Paradies für Fotografen. Das Licht am Morgen und Abend ist fantastisch. Die Sonne geht über dem Magdalena-Fluss im Südosten auf und taucht Himmel und Fluss in wunderschöne Farben.
Die Hauswände werden von einem warmen, weichen Licht umspielt. Bei Sonnenuntergang senkt sich die Sonne westlich über der Stadt und wirft ihr goldenes Licht über die Dächer.
Wer die Gelegenheit hat, sollte unbedingt kurz vor der Dämmerung an der Flusspromenade sein oder auf Dächer oder hohe Balkone steigen. Ich hatte das Glück, in der Casa Amarilla zu übernachten, wo es einen Zugang zum Dach gibt.
[ Mompós ]
Santa Marta
Santa Marta ist von Mompós aus nicht weit entfernt, allerdings dauert die Busfahrt sieben bis acht Stunden. Die Stadt liegt direkt an der Küste und hat je nach persönlichem Geschmack viel oder auch eher gar nichts zu bieten. Das historische Zentrum ist überschaubar und an einigen Stellen ganz schön in die Jahre gekommen.
Mich hat Santa Marta ein wenig an Havanna auf Kuba erinnert, allerdings gibt es keinen Malecón und stattdessen nur eine eher unansehnliche Küstenpromenade. Die Möglichkeiten, die Santa Marta als Küstenstadt hätte, wirken ungenutzt. Wer es etwas gepflegter und weltstädtischer mag, weicht wohl ohnehin lieber nach Cartagena aus.
Fürs urbane Fotografieren schien mir das Stadtzentrum dann doch ganz passend zu sein. Wenn die Sonne nicht zu hoch stand oder ein paar Wolken den Himmel zierten, war das Licht einfach herrlich.
Die Straßen, die nicht übermäßig gepflegt waren, boten spannende Motive und hübsche Details. Abgeblätterte Farbe, verblasste Wandmalereien und ein Gewirr von Stromkabeln sorgten für ein interessantes Ambiente. Auch ein bisschen Street Shooting war drin.
[ Santa Marta ]
Salamina
Zurück in die Berge! Und zwar in die Kaffeezone südlich von Medellín. Die Autofahrt nach Salamina, die von Medellín aus eigentlich vier Stunden dauern sollte, dauerte ganze acht Stunden.
Das war natürlich nicht eingeplant, aber so ist das manchmal. Anfangs war viel Verkehr, und die Straße war ziemlich kurvenreich. An schnelles Fahren oder gar Überholen war kaum zu denken. Später ging es über einen langen Schotterweg, der nur langsam befahrbar war und zu allem Überfluss eine Vollsperrung hatte. Letzteres bescherte mir eine gehörige Umleitung von zwei Stunden.
Auf holprigen Umwegen, auf denen ich um die Bergkuppen herumgesteuert bin, habe ich Salamina dann endlich erreicht. Die Stadt war zwar lange schon lange in Sicht, aber wegen der tiefen Täler gab es keine direkte Straße dorthin.
Salamina liegt hoch in den Bergen und ist nicht ganz einfach zu erreichen. Deshalb ist es hier auch etwas ruhiger als in den touristischen Zentren Salento oder Filandia. Es ist entspannter, dafür richtig charmant und wunderbar bunt.
Mit den steilen Straßen und den umliegenden Bergen kam ich mir fast vor wie in einem Schweizer Alpenstädtchen. Jardín (nah per Luftlinie, weit weg per Straße) besitzt eine ganz ähnliche Atmosphäre.
Von Salamina aus konnte ich eine schöne Fahrt nach San Felix unternehmen, das auf etwa 3.000 Metern Höhe liegt. Dort kann man zwischen den berühmten kolumbianischen Ölpalmen spazieren gehen und die teils atemberaubende Aussicht genießen. Es ist ein ruhiger, fast einsamer Ort, an dem ich die Natur in vollen Zügen genießen konnte.
Nicht weit von der Stadt Salento gibt es ebenfalls ein Gebiet mit vielen hohen Ölpalmen. Das Gelände ist weitläufiger, aber auch deutlich touristischer. Trotzdem sind gerade dort die Ausblicke auf die Palmenhänge wirklich sehenswert.
Bei meinem Besuch bei den Palmen nahe Salento hatte ich viel Nebel, was etwas schade war, da die Palmen dadurch teilweise nicht zu sehen waren. Trotzdem konnte ich einige schöne Fotos machen.
Die majestätisch wirkende Ölpalme ist die am höchsten wachsende Palmenart der Welt. Sie wächst nur in den Bergen Kolumbiens, soweit ich weiß. Leider ist diese Art durch die Landwirtschaft vom Aussterben bedroht.
[ Salamina ]
Hacienda Guayabal
Die Hacienda Guayabal liegt nicht weit von Pereira oder Manizales entfernt und ist gut zu erreichen. Das akkurat blockartige, zweistöckige Gästehaus erinnert an ein Gebäude aus dem kubanisch-sozialistischen Realismus. Davor befindet sich ein kurz geschnittener Fußballrasen, in den hübscher blau leuchtender Pool versenkt ist. Dazu gesellen sich mindestens fünf große Hunde. Rundherum erstrecken sich Kaffeeplantagen. Es ist eine wirklich hübsche Anlage und für Kaffeefreunde lohnt sich der Besuch.
Hinter dem Gästehaus liegen die Wirtschaftsgebäude, in denen die frisch geernteten Kaffeebohnen getrocknet, selektiert und in Säcke verpackt werden. Durch die umliegenden Plantagen führen Wege, auf denen es wunderbar wandern lässt. Etwas weiter bergauf lohnt der schöne Blick über die Hügel.
Ich habe drei herrliche Tage auf der Hacienda verbracht und mich richtig gut erholt. Das Essen war köstlich und natürlich gab es reichlich köstlichen Kaffee.
Besonders gut hat mir die Hängematte auf der oberen Veranda gefallen, in der ich entspannen konnte. Ein Highlight war auch das zauberhafte kleine Kaffeehäuschen, das den ganzen Tag von hunderten Kolibris umflattert wurde.
Die geführte Tour durch die Kaffeewirtschaft war super interessant. Ich habe viel über das Ernten, das Trocknen der Bohnen und die Kaffeezubereitung gelernt. Mit ein dem ein oder anderen Foto hatte ich auch Glück. Gerade das Abendlicht war einfach herrlich.
[ Hacienda Guayabal ]
Finca La Argelia
Zur Finca La Argelia möchte ich gar nicht viel schreiben, aber eines ist klar: Das Anwesen ist traumhaft! Und es scheint mehrere Fincas mit diesem Namen in der Kaffeezone zu geben. Ich mache keine genaueren Angaben zum Standort.
Da, wo ich war, hat es ein wundervolles Haus mit vielen schönen Details und sehr viel Grün rundherum. Die Eigentümer sind einfach toll und ich habe drei unterhaltsame Tage mit ihnen verbracht. Es war eine wirklich entspannte und schöne Zeit und letztendlich ein wunderbarer Abschluss meiner bisherigen Touren durch das Land.
[ Finca La Argelia ]






















































































































