Ausländische Quellensteuer und Abgeltungsteuer

Die ausländische Quellensteuer verursacht sicherlich bei den meisten Kleinanlegern unwissendes Achselzucken. Die Tatsache, dass ausländische Quellensteuer im Rahmen der Abgeltungsteuer anrechenbar ist, könnte die Dunkelheit ein wenig aufhellen. Denn die Anrechnung hat direkte Auswirkung auf den Abzug der Abgeltungsteuer.

Inhalt

Grundlagen ausländische Quellensteuer

Erhält ein Anleger für seine im Depot verwahrten ausländischen Aktien eine Dividende, wird im Heimatland der Aktiengesellschaft in der Regel eine Quellensteuer fällig. Von dieser Quellensteuer ist in Deutschland meist ein bestimmter Teil anrechenbar, die sogenannte anrechenbare Quellensteuer.

Des Weiteren existiert eine als fiktive Quellensteuer bezeichnete Steuer. Diese ist ebenfalls anrechenbar, sie wird in der Realität jedoch nicht oder nur teilweise zum Abzug gebracht. Eine fiktive Quellensteuer existiert für viele Entwicklungs- und Schwellenländer und soll den Investitionsanreiz ausländischer Kapitalgeber fördern.

Die anrechenbare ausländische Quellensteuer entspricht nicht zwangsläufig der tatsächlich gezahlten Quellensteuer. Sie kann auch niedriger ausfallen. Die Differenz, also die nicht anrechenbare Quellensteuer, kann vom jeweiligen Ausland zurück gefordert werden und wird daher als rückforderbare Quellensteuer bezeichnet.

Darüber hinaus regeln verschiedene Doppelbesteuerungsabkommen die tatsächlich im Ausland einbehaltene Steuerhöhe. Beispielsweise beträgt der Quellensteuersatz für die USA 30%, wobei in Folge des Doppelbesteuerungsabkommens mit Deutschland für deutsche Anleger in einem deutschen Depot tatsächlich nur 15% abgezogen werden. Diese 15% entsprechen auch der anrechenbaren ausländischen Quellensteuer für US-amerikanische Wertpapiere.

Regelung vor 2009

Der steuerehrliche Bundesbürger konnte die ausländische Quellensteuer nur im Rahmen seiner steuerlichen Veranlagung gegenüber dem Finanzamt geltend machen. Diese Aufgabe überahm ab 2009 die Bank durch die Verrechnung mit der Abgeltungsteuer. Soweit zumindest kein genereller Unterschied bezüglich der Verrechnungsmöglichkeit an sich. Nur verhielt es sich bis zum Ende des Jahres 2008 so, dass auf den Ertragsabrechnungen ausländischer Dividendenzahlungen keine Kapitalertragsteuer abgezogen wurde. Es war lediglich der im Ausland gezahlte Quellensteueranteil ausgewiesen. Ansonsten blieb die Zahlung fürs erste von einem Steuereinbehalt der Kapitalertragsteuer (KESt) verschont.

Die Verfahrensweise ab 2009

Die anrechenbare Quellensteuer wird seit dem Jahr 2009 gegen die zu zahlende Abgeltungsteuer gerechnet. Die rückforderbare Quellensteuer hingegen ist nicht mit der Abgeltungsteuer verrechenbar, denn diese soll sich der Anleger selbst vom Ausland zurück holen. Die Konsequenz daraus ist, dass der rückforderbare Quellensteueranteil von einem eventuell vorhandenen Freistellungsauftrag nicht berücksichtigt wird. Das heißt, der Freistellungsauftrag wird immer auch um den rückforderbaren Teil der Quellensteuer vermindert. Dieser Teil ist ja nicht weg, er ist nur noch nicht beim Anleger. Es steht auf einem anderen Blatt, dass die Rückforderung mit Aufwand und ewiger Wartezeit verbunden ist.

Bei der Anrechnung der anrechenbaren (oder der fiktiven) Quellensteuer kann es dazu kommen, dass diese den Abzug der Abgeltungsteuer komplett verhindert und den Ertrag quasi abgeltungsteuerfrei stellt. Es werden maximal 25% des jeweils zu versteuernden Ertrages als zu verrechnende Quellensteuer zugelassen. Übersteigt der Quellensteueranteil 25% des Ertrags, fließt der übersteigende Anteil in den bei der Bank für den Anleger geführten Quellensteuertopf.

Wann kann die Quellensteuer 25% des Ertrages überschreiten? Die Quellensteuer wird in der Berechnungslogik der Abgeltungsteuer zu allerletzt für die Minderung des Steuerbetrages eingesetzt. Der angelieferte Bruttoertrag wird zunächst gegen vorhandene Verlustverrechnungstöpfe (die ebenfalls von der Bank für jeden Anleger geführt werden) sowie einen vorhandenen Freistellungsauftrag gerechnet. Bleibt hierbei vom Ertrag etwas übrig, so erfolgt zum Schluss die Verrechnung mit der Quellensteuer. Wird letztere nicht vollständig aufgebraucht, fließt der nicht verwendete Teil wie bereits erwähnt in den Quellensteuertopf.

Bei der Anrechnung der Quellensteuer kann der Einfachheit halber davon ausgegangen werden, dass der abgezogene Quellensteuerbetrag 25% eines Ertragsanteils ausmacht. Ein Euro Quellensteuer reduziert den zu versteuernden Ertrag also um ganze vier Euro. Deshalb darf der maximal zur Verrechnung verwendete Quellensteueranteil niemals höher als 25% des der Abgeltungsteuer unterliegenden Ertrages sein.

Achtung auch in diesem Fall: Sollte der Anteil der ausländischen Quellensteuer 25% des Brutto-Dividendenertrags überschreiten (also des Dividendenertrags ohne Freistellung und Verlustverrechnung), fällt er weg und wird dem Anleger nicht angerechnet. Hier wäre dann wieder zu prüfen, ob dieser Anteil rückforderbar ist.

Ein einziges Verwirrspiel? Vielleicht helfen die folgenden Beispiele:

Beispiel ausländische Dividende

Die amerikanische McDonald's Corp. schüttet für den Depotbestand eines Anlegers insgesamt 100,00 Euro Dividende aus. Von diesem Betrag entsprechen 15,00 Euro der für die USA anrechenbaren ausländischen Quellensteuer.

Bis zum Jahr 2008 erhielt der Anleger eine Gutschrift von 85,00 Euro auf seinem Konto, die er in seiner Einkommensteuererklärung angeben musste. Unter Berücksichtigung der Abgeltungsteuer erfolgen seit 2009 die nachfolgend aufgeführten Berechnungen. Wichtig: der Einfachheit halber bleibt die Kirchensteuer in den Beispielen unberücksichtigt.

Abgeltungsteuer Fall 1

Der Anleger besitzt weder einen Freistellungsauftrag noch einen Verlusttopf.

Der Quellensteuerbetrag von 15,00 Euro mindert den zu versteuernden Ertrag auf nur noch 40 Euro. 15,00 Euro Quellensteuer können der Einfachheit halber als Teil der Abgeltungsteuer betrachtet werden. Der maximale Abzug von der Dividende bei einem Ertrag von 100,00 Euro beträgt daher weiterhin 25 Euro (=25%, ohne Berücksichtigung Kirchensteuer), denn 25% der verbleibenden 40,00 Euro ergeben 10,00 Euro. Vom Ursprungsertrag werden dem Anleger somit 25,00 Euro (15,00 Euro Quellensteuer + 10,00 Euro Abgeltungsteuer) zuzüglich des Solidaritätszuschlags von 5,5% abgezogen. Der Anleger erhält 74,45 Euro auf sein Konto ausbezahlt.

In diesem Beispiel ist leicht erkennbar, dass ein Quellensteuerabzug von 25% zu einer kompletten Kompensierung der Abgeltungsteuer führen würde. Effektiv kann es dem Anleger gleich sein, ob er nun Quellensteuer im Ausland oder eine Steuer in Deutschland zahlt. Er muss immer ein Viertel des Ertrags abführen.

Abgeltungsteuer Fall 2

Der Anleger besitzt einen Freistellungsauftrag von 50,00 Euro und einen Verlusttopf für Sonstige Erträge von 5,00 Euro.

Zunächst mindert der vorhandene Verlusttopf den zu versteuernden Ertrag auf 95,00 Euro und der Freistellungsauftrag auf verbleibende 45,00 Euro. Gegen diesen Betrag kann nun die gezahlte Quellensteuer verrechnet werden, jedoch nur bis zu maximal 25% dieses Restertrags. Somit werden 11,25 Euro der gezahlten Quellensteuer genutzt, um die ans deutsche Finanzamt abzuführende Abgeltungsteuer auf Null zu reduzieren (25% von 45 Euro = 11,25 Euro). Die verbleibenden 3,75 Euro werden dem Quellensteuertopf zugeführt und können gegen einen späteren Ertrag gerechnet werden.

Der Anleger enthält von den 100,00 Euro Ertrag insgesamt 85,00 Euro ausgezahlt. Diese ergeben sich aus dem Ertrag von 100,00 Euro abzüglich der im Ausland einbehaltenen Quellensteuer von 15,00 Euro. Freistellungsauftrag und Verlusttopf stehen anschließend auf null.

Topfverrechnung

Beträge, die im Quellensteuertopf gesammelt werden, zieht die Berechnungslogik der Abgeltungsteuer automatisch bei jedem zu versteuernden Ertrag heran. Ziel ist es, immer soviel wie möglich aus dem Quellensteuertopf zu entnehmen. Besitzt ein Anleger einen Quellensteuertopf und erhält beispielsweise einen Ertrag aus deutschen Zinseinkünften, werden selbst diese Zinseinkünfte mit dem maximal möglichen Betrag aus dem Quellensteuertopf verrechnet, d.h. frei gestellt. Selbstverständlich kann der Quellensteuertopf nicht ins Minus rutschen, bei null ist Schluss.

Besteht beispielsweise ein Quellensteuertopf in Höhe von 20,00 Euro und erhält der Anleger einen positiven Ertrag (Zinsen, Dividenden etc.) von 60,00 Euro, so wird dieser Betrag komplett steuerfrei gestellt, indem dem Topf 15,00 Euro (=25% von 60,00 Euro) entnommen werden. Rein rechnerisch kann es dem Anleger gleichgültig sein, ob ein zu versteuernder Ertrag durch einem direkten Quellensteuerabzug oder durch einen längst vorhandenen Quellensteuertopf reduziert wird.

Der Quellensteuertopf wird dem Anleger an jedem Jahresende schriftlich bescheinigt (sofern gefüllt) und für das neue Jahr auf null gesetzt. Im Gegensatz zu den Verlusttöpfen ist eine Weiterführung über den Jahreswechsel hinaus nicht möglich.

Beispiel Topfverrechnung

Anleger können auch deutsche Dividenden (sowie Zinsen, Veräußerungsgewinne etc.) mit anrechenbarer ausländischer Quellensteuer verrechnen. Auch die Wiederherstellung eines einmal verbrauchten Quellensteuertopfes ist möglich.

Abgeltungsteuer Fall 3

Der Anleger besitzt einen Verlusttopf für sonstige Erträge in Höhe von 20,00 Euro und einen Quellensteuertopf, der mit 10,00 Euro gefüllt ist, und er erhält einen Dividendenertrag der Deutschen Bank AG von 80,00 Euro.

Zur Ermittlung des hiervon steuerpflichtigen Ertrags wird als erstes der Verlusttopf abgezogen und es bleiben 60,00 Euro übrig. Da kein Freistellungsauftrag existiert, wird im nächsten Schritt geprüft, ob der Anleger bereits einmal anrechnungsfähige Quellensteuer bezahlt hat, die nicht vollständig angerechnet und im Quellensteuertopf gespeichert wurde. Bingo! Hier liegen bereits 10,00 Euro, die nun mit ihrem Ertragsäquivalent, welches 40,00 Euro entspricht, vom restlichen Ertrag abgezogen werden. Die zu versteuernde Dividende vermindert sich auf 20,00 Euro. Der Anleger zahlt also 5,00 Euro Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag von 0,27 Euro und erhält 74,73 Euro der Dividende auf sein Konto ausbezahlt. Quellensteuer- sowie Verlusttopf werden jeweils auf den Wert null gestellt, da beide nun vollständig verbraucht wurden.

Abgeltungsteuer Fall 4

Direkt nach Fall 3 realisiert der Anleger einen Veräußerungsverlust aus dem Verkauf eines Zertifikats (sonstiger Verlust) in Höhe von 30,00 Euro.

Bei einem Verlust kann es zur Erstattung bereits gezahlter Abgeltungsteuer kommen. Der Anleger hatte vorhin 5,00 Euro Abgeltungsteuer gezahlt. Die bekommt er nun (zzgl. Solidaritätszuschlag) wieder und der Veräußerungsverlust wird rechnerisch um 20,00 Euro auf 10,00 Euro gemindert. Als nächstes wird sein verbrauchter Quellensteuertopf wieder belebt und auf den Wert von 2,50 Euro angehoben. Der Verlust mindert sich um die verbleibenden 10,00 Euro auf null.

Interessant wäre der Fall, wenn der Zertifikateverlust viel höher ausgefallen wäre als nur 30,00 Euro. Dann könnte der Quellensteuertopf eventuell noch weiter aufleben. Aber bis zu welchem Betrag? Dies zu ermitteln, ist in den vorliegenden Beispielen nicht möglich, da nicht bekannt ist, wie viel ausländische anrechenbare Quellensteuer der Anleger insgesamt bereits bezahlt hat und wie viel davon nicht mit ausländischen Erträgen verrechnet wurde. Der Quellensteuertopf kann nur bis zu dem maximal gezahlten anrechenbaren, jedoch nicht mit ausländischen Erträgen verrechneten, Quellensteuerbetrag wieder aufleben. Erst im Anschluss würde der Verlustverrechnungstopf mit dem verbleibenden Verlust befüllt werden.

Ersatzhalber könnte im Beispiel davon ausgegangen werden, dass der Quellensteuertopf von einer anderen Bank im Zuge eines Wertpapierübertrags übernommen wurde und im jetzigen Depot des Anlegers noch niemals Quellensteuer gezahlt worden ist. Dann läge das Maximum für ein Wiederaufleben bei 10,00 Euro.

Abgeltungsteuer-Rechner

Wenn Sie als Leser dieses Beitrags ganz genau verstehen wollen, wie die Abgeltungsteuer bei konkreten Transaktionen berechnet wird, dann könnte der Abgeltungsteuer-Rechner das Richtige für Sie sein.

Mit diesem Link gelangen Sie zu meinem Abgeltungsteuer-Rechner, den Sie direkt im Browser anwenden können.

Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Beitrags wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit sowie Korrektheit der Darstellung. Wertungen und Beispiele dienen der Veranschaulichung und sind nicht als Handlungsempfehlungen zu betrachten.

Copyright 2006 - 2011 Jens Blaustein